am späten nachmittag sah ich aus dem fenster, die tal- oder salzerstraße kamen die drei älteren damen b., b., s., letztere mit einem beutelchen voller äste, die sie unterwegs sammelte; etwas weiter vorn spielte nachbar h., auch schon jenseits der dreißig, mit seiner freundin federball – ein gerafftes sittenbild des erzgebirge für das ich treffendere worte finden müsste. schön zu beobachten, damit könnte ich mein leben zubringen, immerzu beobachten. aber ich gehöre auch dazu und muss essen, trinken und mit frauen kinder haben und ernähren …
abends den garten gesprengt; befriedigung wäre daraus zu ziehen, wenn ich den tag zuvor gearbeitet hätte, blätter beschrieben, bücher gelesen und nachgedacht.
ulla hahns buch über die wehrmachtsverbrechen begonnen, es wurde halb vier, bevor ich das licht löschte. eigentümlich fesselnd, obwohl keineswegs spektakulär erzählt, leuchtet es dennoch auf sonderbare weise. wie man das hinbekommt: in einem plauderton allerweltsdinge verhandeln – und doch funkeln sie. – so schlägt man die zeit tot.