viele träume, die ich sämtlich vergaß, nur eine trübe erinnerung an eine stimmung blieb. ein feld im herbst, kälte, nebelschwaden, die flache wachheit nach zu kurzem schlaf.
eben stoße ich in einer rezension über paul nizons tagebücher der neunziger jahre auf den schweizer historiker, schriftsteller und publizisten jean rudolf von salis, der fünfundneunzig jahre alt wurde; während des zweiten weltkriegs machte er mit seinem radiokommentar „weltchronik“ als einer der wenigen unabhängigen deutschsprachigen stimmen derartige furore, dass die reichsregierung wegen seiner massiven regimekritik in bern mehrfach um seine demission einkam. historiker, schriftsteller, publizist …
cfp: mccain überflügle obama, seine running mate habe mit einer „kämpferischen rede voller sarkastischer seitenhiebe“ auf den demokraten beeindruckt. man kann gar nicht so viel steine sammeln, wie man werfen möchte.
(…) du bist zum wegschmeißen, dich kann niemand brauchen, obwohl … nun, warten wir mal ab.
zuviele bücher hast du angesammelt (immerhin sind sie ein hübscher wandschmuck). für dich allerdings sind sie mehr. sie dichten deine dachstube nach draußen ab.
nur die arbeit zählte, ohne sie war er nichtswürdig, ein herumtreiber.
solch ein gegrübel war natürlich unsinn. schließlich kam es darauf an zu leben.
literatur hatte mit irdischem wenig gemein; sie war eine variable größe, zog unterirdisches herauf oder flog dem außerirdischen entgegen, sozusagen.
und dort der hochgewachsene, der immer in die ferne schaute und mit offenem hemdkragen ging, die beiden oberen hemdknöpfe offen, der sah kühn aus. (da fällt einem b. ein …)
so hättest du’s auch machen sollen, die poesie nebenbei betreiben. als lebensschmuck gewissermaßen … aber von ihr leben wollen: eigentlich vermessen, ein unmöglicher gedanke … aber den hast du befolgt. wenn du keinen wert drauf legst, ein auto zu besitzen oder nebenfrauen zu bezirzen, dann kannst du es machen.
ich fürchte mich beinahe vor jedem gespräch. ja, wenn’s noch so wäre wie beim herrn grillparzer. ‚ich habe es nie fertiggebracht, vormittags mein zimmer zu verlassen‘ (…)
ich fürchte eigentlich immer, dass mich irgendjemand anrufen und unliebsames mitteilen könnte. das sind dann stets halbe katastrophen, die mich tage kosten, in denen ich versuche, mich wieder einigermaßen zu fangen. – abends klingelte das telefon, ich meldete mich vorsichtig. ja …? am andern ende rief es, wer denn da sei. – ich hatte mich gestern abend verwählt und nun rief eine ältere frau an, weil sie meine nummer irritiert hatte. – was nützt das telefon, was kostet es … der fortschritt und seine kehrseite beim träumen des nachts, beim ängstigen am telefon.
im radio eine reportage über eine landwirtschaftliche genossenschaft in kärtnen. – die seltsame faszination, die solche lebensreformerischen initiativen auf mich ausüben. abgeschiedenheit jenseits der großstadt, gemeinschafskassen, nachhaltigkeit, autarkie und alles tief durchdacht, mit platon eine wiese mähen, gewissermaßen. vermutlich wirkt da die kommunistische ideologie nach, die ich in meiner kindheit erfuhr durch bildergeschichten und utopische erzählungen. der zusammenbruch des ostblocks hat für mich eine gefährlichen nebenaspekt, denn er geschah zu einem zeitpunkt, an dem ich nur das morgenrot kennengelernt hatte, aber noch nicht die leichen in der dämmerung herumliegen sah. was nicht heißen soll, ich bedauerte den erfolg der freiheitsbewegung (ob das wort „freiheitsbewegung“ für die ereignisse in den späten achtziger und frühen neunziger jahren auch ideologie ist?) das macht mich aber zum idealisten besten-, zum spinnerten kommunisten schlimmstenfalls. im konservativen schafs- oder wolfspelz gut versteckt, je nach sichtweise und belieben.